Liebe Freunde der frischen Kunst,

eine ganz besondere Ausstellung neigt sich dem Ende zu, und das möchten wir gern gemeinsam mit euch feiern.

Wir laden euch herzlich zur Finissage am 30.01. von 18–22 Uhr ein.

Wir freuen uns sehr, dass Hoshiko Yamane den Abend musikalisch begleiten wird und für uns Violine spielt ✨

Save the Date 🧡

Wir freuen uns auf euch!

 


 

 

“WO MICH NIEMAND KENNT”

Eduard Bigas über Walter Benjamin

22. November – 30. Januar 2026

 

 

Eduard Bigas, geboren 1969 im katalanischen Palafrugell, nähert sich in seiner neuen Ausstellung einer der prägendsten intellektuellen Figuren des 20. Jahrhunderts: Walter Benjamin. Für Bigas ist er nicht nur eine historische Gestalt seiner Zeit, sondern ein metaphorischer Geist, dessen Gedankenwelt bis in unsere Gegenwart hineinreicht – in eine Zeit, die erneut von politischen Umbrüchen, technologischen Beschleunigungen und autoritären Tendenzen geprägt ist.

Bigas’ biographische Verortung zwischen Katalonien und Berlin schließt dabei auf eigentümliche Weise einen Kreis: Unweit seines Geburtsortes liegt Portbou, wo Benjamin 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten den Tod fand; Berlin hingegen, Benjamins Geburtsstadt, ist heute Bigas’ Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Diese geografische wie geistige Topografie bildet den Hintergrund seiner künstlerischen Auseinandersetzung.

In „Wo mich niemand kennt“ greift Bigas zentrale Motive Benjamins auf – das Fragmentarische, die Aura des Kunstwerks, das Spannungsfeld von Original und Reproduktion. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Collage, Tusche auf Papier, Zeichnung mit Graphit auf Leinwand und konzeptueller Fotografie. Durch die Montage von Bildfragmenten entsteht ein vielstimmiges Universum, das Benjamins eigene gedankliche Methodik spiegelt.

Den Titel der Ausstellung entlehnt Bigas einer Notiz aus Benjamins letztem Brief:

„Es ist in einem kleinen Dorf in den Pyrenäen, wo mich niemand kennt, dass mein Leben zu Ende gehen wird.“

Dieser Satz wird zum Leitmotiv, das sich in den Werken als melancholischer, aber auch poetischer Widerhall niederschlägt. Inspiration bezieht Bigas aus Schriften wie Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und den Sonetten. Zugleich öffnet er mit seiner visuellen Sprache einen eigenen Zugang zu Benjamin: intuitiv, poetisch, fragend. Seine Kunst lädt dazu ein, nicht nach endgültigen Antworten zu suchen, sondern die offenen Fährten von Benjamins Denken weiterzuführen und neu aufleben zu lassen.

In „Wo mich niemand kennt“ verdichten sich Erinnerung, Ort und Philosophie zu einer stillen Hommage an Walter Benjamin – und zugleich zu einer Reflexion über unsere Gegenwart.

 

 


 

NÄCHSTE AUSSTELLUNG

 


 

 

 

 

“DIT IS DOCH EIGENTLICH OCH JANZ SCHÖN”

Die Malerin Annelotte Spieß – ein Jahrhundert der Farbe und Poesie

14. Februar – 10. April 2026

 

VERNISSAGE: 14. FEBRUAR 18 – 22 UHR

 

 

Annelotte Spieß wurde 1912 in Magdeburg geboren und erhielt ihre Ausbildung an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin-Schöneberg. Ihr Leben und ihre Arbeiten umspannten tiefgreifende politische und gesellschaftliche Umbrüche – vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis hin zur DDR und dem wiedervereinigten Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg, mit Aufenthalten mit ihren beiden Kindern in Neuwasser (Ostpreußen), fand sie in Druxberge in der Magdeburger Börde ihre neue Heimat und war dort als Lehrerin und Malerin tätig.

Ihre Werke zeugen von einem feinen Farbgefühl und einem sensiblen Blick für Balance – zwischen Wandel und Beständigkeit, spielerischer Leichtigkeit und komponierter Ruhe. Die aufmerksame Beobachtung ihrer Umgebung spiegelt sich ebenso in ihren Arbeiten wider wie der Einfluss ihres Lehrers Curt Lahs und ihre Auseinandersetzung mit der Kunst Paul Klees. Eine spielerische Offenheit, die sich insbesondere in den Hiddensee-Arbeiten zu einer farbigen Leichtigkeit verdichtet, verweist auf ihre künstlerische Unabhängigkeit. Das Hinterfragen von Anweisungen und eine Haltung der Unangepasstheit begleiteten ihr Leben über viele Jahrzehnte. 1933, zu Beginn der nationalsozialistischen Diktatur, kam es in diesem Zusammenhang zu einem zeitweiligen Studienverbot.

Aufenthalte auf der Adria-Insel Krk in den 1930er-Jahren wirkten nachhaltig auf ihr künstlerisches Arbeiten. Das Blau der Adria findet in späteren Hiddensee-Aquarellen ein Echo. Wasser erscheint dabei als verbindendes Element ihres Schaffens – sowohl als Motiv als auch in der bevorzugten Maltechnik des Aquarells. Insbesondere während ihrer Aufenthalte auf Hiddensee arbeitete sie regelmäßig und mit großer Disziplin, häufig mit dem Anspruch, täglich ein Bild zu schaffen.

Zeitlebens blieb das Malen für Annelotte Spieß ein zentrales Bedürfnis und eine Quelle der Freude. Auch in schwierigen Lebensphasen bot es ihr Halt. „Ich muss auch wieder malen“, schrieb sie 1979 nach dem frühen Tod ihres Mannes an eine Studienfreundin.

Ihre wiederkehrenden Bildmotive umfassten Blumen – bevorzugt den Mohn aus dem eigenen Garten –, Landschaften der Insel Hiddensee, Reiseeindrücke aus anderen Ländern sowie den Blick aus dem Wohnzimmerfenster des roten Backsteinhauses in Druxberge. Viele ihrer Arbeiten entstanden direkt in der freien Natur; Witterungseinflüsse wie Regentropfen wurden dabei mitunter Teil der Kompositionen.

Ein besonderes Anliegen von Annelotte Spieß und ihrem Mann Hans Arthur war es, Räume für Kunst, Kultur und Gemeinschaft zu schaffen. So entstand 1980 aus ihrem ehemaligen Klassenzimmer der Dorfschule die Kleine Galerie Druxberge, die über viele Jahre hinweg als Ort des Austauschs und der kulturellen Begegnung im ländlichen Raum wirkte.

Mit ihren farbintensiven und lebendigen Arbeiten entwickelte Annelotte Spieß eine Kunst, die von einem Wunsch nach friedlichem Miteinander und gegenseitiger Rücksichtnahme getragen ist. Ihr Leben umfasste ein Jahrhundert tiefgreifender Umbrüche, geprägt von Brüchen, Kriegen und Neubeginn. Dabei blieb sie sich selbst stets treu – naturverbunden, wissbegierig und unabhängig. Ihre Aquarelle, die noch zu ihrem hundertsten Geburtstag in ihrem Beisein in Berlin ausgestellt wurden, zeugen von einer anhaltenden Freude an Farbe, Natur und Leben.

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